Trau dich! Vertraue deinem Kind!

In meinem letzten Blogeintrag ging es um Angst. Angst vor dem Unbekannten. Angst davor, Dinge mit unserem Kind anders zu machen. Angst vor unbekannten Territorien.

Heute möchte ich über das Gegengift zur Angst schreiben: dem Vertrauen.

Im Bereich der Humanistischen Psychotherapie teilen wir einen zentralen Gedanken über die menschliche Natur: Jeder Mensch hat die tief verankerte Fähigkeit – unter den richtigen Umständen – die Wunden seiner Vergangenheit zu heilen. Der Mensch an sich bringt diese Fähigkeit mit. Der Therapeut ist einzig und allein jemand, der ihn dazu befähigt. Wie? Die richtigen Umstände werden in seinem professionellen Verhältnis zu seinem Patienten geschaffen, so dass dieser seine Heilkraft aktivieren kann und sich quasi – selbst heilt.

Wir vertrauen darauf, dass jeder Mensch diese Eigenschaft hat – gegebenenfalls die richtigen Umstände werden ihm geboten.

Aber nicht nur das!

Jeder Mensch, jedes Kind (!!!), hat unter den richtigen Umständen die Fähigkeit, sich zu seinem “Besten Selbst” zu entwickeln – quasi sein “Bestes Selbst” zu verwirklichen.

Was genau sind aber diese idealen Umstände?

Spontan antworten viele Eltern:

Mein Kind so gut es geht zu schützen.

Meinem Kind die beste Umwelt zu bieten.

Meinem Kind in seiner Entwicklung zu helfen.

Mein Kind zu fördern.

Das stimmt – und stimmt auch wieder nicht. Es ist – wie immer – eine reine Definitionsfrage.

Wovor sollten wir unsere Kinder schützen?

Im Alltag wäre es ratsam, unsere Kinder beispielsweise vor schlechter Ernährung, zu viel Zeit mit dem Bildschirm und schlechter Gesellschaft zu schützen.

Vor negativen Erfahrungen, Enttäuschungen oder dem Scheitern an sich können und dürfen wir sie nicht immer schützen.

Vorm “Allein-sein” in diesen Momenten können wir sie aber sehr wohl schützen. Denn das macht krank, nicht unbedingt die Erfahrung an sich.

Unsere Kinder spüren dies auch sehr genau und hören unsere subtile Nachricht: “Ich traue dir nicht zu, dass du dies allein schaffst. Du brauchst meine Hilfe!” Nicht unbedingt fördernd für das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit, oder?

Aber auch vor unseren unreflektierten Projektionen der Sorgen, Eitelkeit und Wut sollten wir unsere Kinder schützen.

Die beste Umwelt für das Kind ist nicht unbedingt der beste PEKiP Kurs, Musik- und Ballettunterricht oder Informatikunterricht für Kindergartenkinder.

Die beste Umwelt ist ein zu Hause, in dem dem Kind immer und immer wieder kommuniziert wird, dass wir ihm auf den vielen verschiedenen Facetten des Lebens vertrauen.

Unserem Kind in der Entwicklung zu helfen bedeutet in meinen Augen, dass wir nicht aus Sorge, Ungeduld oder Eitelkeit in seinen Lernprozess eingreifen – beim Laufen lernen, beim Spielen mit Bauklötzen, beim Puzzeln oder Lesenlernen.

Das Kind fördern bedeutet, dass wir ihm vertrauen, richtige, altersgerechte Entscheidungen zu treffen und Dinge in seinem eigenen Tempo zu lernen.

Dein Kind lernt immer gerade genau das, was es lernen muss – es sei denn, man mischt sich ein und “hilft” oder “fördert” sein Kind. Warum mischen sich viele Eltern so oft ein? Vielleicht weil Kind XYZ das schon kann? Oder weil wir in unserer Elternrolle einfach mal so richtig glänzen wollen, weil unser Kind so fähig ist?

Kinder zu vergleichen ist der schnellste Weg, unserem Kind unser Misstrauen zu kommunizieren.

Wenn wir praktisch als Moderator zur Seite stehen, statt uns als Regisseur zu oft einzumischen, dann geschieht etwas Unschätzbares! Dann lernt unser Kind intrinsisch das, was es zu diesem Zeitpunkt lernen kann und muss – auch wenn es in unseren Augen nicht „perfekt ist“ (Puzzeln, Schreiben, Laufen, etc..). Vor allem lernt es aber eins: Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu entwickeln, da es die Dinge von sich aus alleine meistert.

Unserem Kind Schutz und die beste Umwelt bieten, es fördern und ihm helfen – das tun wir, indem wir ihm in seiner Entwicklung und im Verhältnis zu uns vertrauen.

Auch wenn wir selbst eher autoritär erzogen wurden und diese Art des Vertrauens in jungen Jahren wahrscheinlich nicht intrinsisch gelernt haben.

Unser Kind darf widersprechen und eine Meinung haben. Wir sollten dies sogar zelebrieren und unterstützen. Ist es nicht das, was sich alle Eltern für ihre Kinder in der Pubertät wünschen? Ein Teenager, der dem Gruppendruck widerstehen kann und seine eigene Meinung hat? Unsere Kinder lernen den Wert ihrer Stimme in den frühen Jahren. So unbequem das manchmal auch für uns Eltern sein kann. Da gibt es später keinen Hebel, den man einfach umstellen kann.

Darf widersprochen werden – im Rahmen einer sicheren Beziehung und einer sicheren Bindung – dann wird unser Kind auch später keine Angst haben, “nein” zu sagen.

All dies kann und soll im Rahmen einer positiven, sicheren Umwelt geschehen, die wir reflektiert für unser Kinder geschaffen haben. Auch wenn mit uns in jungen Jahren keine Kompromisse geschlossen wurden, so sollten wir unseren Kindern dieses Geschenk unbedingt geben.

Da ist sie wieder, die Angst. Was, wenn mein Kind mich nicht respektiert?

Was ist, wenn er/ sie dann überhaupt nicht mehr auf mich hört und ich keine Kontrolle mehr habe?

Fang die Angst, erkenne sie, benenne sie.

Wenn du deinem Kind von Anfang an vertraust, dann wird es auch dir vertrauen.

Du schaffst das.

Falls du dich gerne etwas mehr in Sachen Vertrauen und Bindung üben möchtest, dann sieh dir unser kostenloses Onlinetraining an, folge uns auf Facebook oder mach bei unserer privaten Gruppe mit vielen Tipps und Inspirationen mit.

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