Beschämst du dein Kind ausversehen, ohne es zu merken?

Scham ist eines der schlimmsten, unangenehmsten Gefühle, die es gibt, oder?

Ob sich dies nun in Form eines hochroten Kopfes, eines gesenkten Hauptes oder selbstzerstörerischer Gedanken manifestiert – es kommt alles aufs Selbe heraus. Scham ist giftig, Scham blockiert uns und Scham tut weh. Scham sagt dir: „Du bist nicht gut genug. Du bist falsch. Du bist nicht liebenswert.”

Leider ist giftige Scham aber unglaublich weit verbreitet und wird noch oft als Diszplinierungsmethode verwendet, um ein Verhalten zu unterbinden oder um Kinder zu „motivieren“.

Sowohl zu Hause als auch in Kindergärten und Schulen.

Wenn wir mal ehrlich sind: Die meisten von uns erinnern sich doch bestimmt noch allzu gut daran, wie sich diese schreckliche, kindliche Scham so anfühlt, oder? Und ich glaube auch, dass die meisten dann direkt sagen würden: “Das werde ich meinem Kind definitiv ersparen!”

Was aber, wenn auch wir unser Kind beschämen – ohne es zu merken und zu wollen?

Dies geschieht immer und immer wieder, ohne das Eltern absichtlich handeln. Leider werden sie von unbewussten Glaubenssätzen aus ihrer eigenen Kindheit mitgerissen.

Ich habe drei gängige Beispiele ausgewählt – bevor du aber weiterliest, habe ich eine Bitte. Bitte verwende diese Beispiele nicht als einen Anlass, die Augen zu verdrehen und darüber zu urteilen. Denn wozu führen die Verurteilungen anderer oft?

Genau! Defensives Verhalten und vor allem – mehr Scham.

1) Ein vierjähriger ist sehr still und eher schüchtern in Gruppen. Seine Mutter geht mit ihm auf die Geburtstagsparty eines Nachbarkindes. Der 4 jährige stellt sich lange still hinter seine Mutter und beobachtet alles. Sie möchte nun aber auch endlich mal mit den anderen Muttis quatschen und ein bisschen die Hände frei haben. “Nun los, spiel doch mit den anderen Kindern. Willst du nicht? Wenn du nicht mit ihnen spielen willst, dann hätten wir ja gar nicht erst kommen müssen.”

Was kommt beim Kind an?

„Du bist falsch! Deine Bedürfnisse und Gefühle sind nicht richtig.”

Alternative: (Vertraue deinem Kind und seinem Bedürfnis. Kommuniziere durch Blickkontakt und Energie:

“Du darfst an meiner Seite bleiben, so lang du möchtest. Es ist völlig in Ordnung für mich. Ich weiß, du beginnst zu spielen, wenn du dich sicher genug fühlst. Diese Sicherheit gebe ich dir gern.“

2) Zwei Klassiker! “Na, also das müsstest du jetzt aber schon besser wissen!” Oder: “Das müsstest du nun aber langsam wirklich selbst können!”

Was kommt beim Kind an?

„Du bist unfähig, du bist nicht gut genug.“

Alternative: Vertraue deinem Kind und seinem Lernprozess:

“Mh, das scheint heute etwas schwer zu sein. Ich helfe dir. Ist ok, manchmal fühle ich mich auch so. Wir können es auch zusammen versuchen, wenn du willst?”

3) “Gute/ nette/ große/ liebe Jungs und Mädchen machen das nicht…!”

Was kommt beim Kind an:

“Du bist gerade nicht liebenswert.”

Alternative: Vertraue deinem Kind und seinem Entwicklungsstand. “Ich stoppe dich hier. Das nöchte ich nicht/ das tut weh…”

Und dann akzeptieren wir jegliche emotionale Reaktion unserer Kinder ohne Verurteilungen mit viel Empathie.

Traurigerweise sind unsere gesellschaftlichen Strukturen sehr gepägt vom Beschämen und oft denken Menschen, dies ist eine Motivation oder Disziplinierungsmethode.

Untersuchungen haben ergeben, dass das Beschämen von Menschen mit Sucht, Gewalt, Aggressionen, Depressionen, Mobbing und Essstörungen korrelieren (Brené Brown: The difference between shame and guilt, and why it matters, 2014) –

ABSOLUT KEINE positiven Effekte konnten identifiziert werden, wenn es um das Beschämen von Kindern geht, weder in Schulen noch zu Hause.

Falls du dich für eine bindungs- und bedürfnisorientierte Beziehung zu deinem Kind interessierst, Tipps und Anregungen haben möchtest oder dich austauschen möchtest, dann schau dir unser kostenloses Onlinetraining an, folge uns auf Facebook oder mach bei unserer privaten Gruppe mit.

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