Ey, was erwartest du eigentlich?!?

Nein…. Ich will hier niemanden anpöbeln 🙂

Es liegt mir jedoch sehr am Herzen dich dazu einzuladen, dir über die Erwartungen bewusst zu werden, die du an dein Kind richtest. Egal, ob es 1, 2 oder 12 ist.

Erwartungen sind eigentlich wie eine Zwiebel. Sie bestehen aus unglaublich vielen Schichten und viele davon sieht man auf den ersten Blick einfach gar nicht. Immer wieder fällt mir auf, dass die Erwartungen, die an Kinder in unserer Gesellschaft gerichtet werden ganz schön krass sind.

Beruhige dich! Jetzt motzt nicht schon wieder rum. Du hast jetzt eigentlich keinen Grund, traurig zu sein. Ich hab’s dir doch eben noch erklärt. Warum willst du das denn nicht? Das ist doch schön! Das wollte ich als Kind immer. Da wollte ich als Kind immer hin. Du hast so viel Glück….

Sorry, aber: Kinder. Sind. Menschen.

Eigene, selbstständige Menschen mit ihren Persönlichkeiten, ihrem genetischen und emotionalen “Make-Up”. Kinder haben genau so Anrecht auf ihre Gefühle und Gedanken, wie Erwachsene. Gefühle und Gedanken KÖNNEN nicht falsch sein, sie sind einfach. Sie können dich aber triggern, weil du vielleicht deinen eigenen Ärger regelmäßig schluckst (und das so gelernt hast), oder weil du dir vielleicht so viel Mühe gibst, um dein Kind glücklich zu machen (weil dein Selbstwert vielleicht mit der Bestätigung anderer zusammenhängt – auch ein erlerntes Verhalten). Und nun beklagt sich dein Kind doch schon wieder. Was?!?

Ihr kennt mich, ich finde es unglaublich wichtig, sich über altersgerechtes Verhalten und grundlegende Entwicklungen zu informieren. Viele Missverständnisse zwischen Eltern und ihren Kindern können so schon vorgebeugt werden. Genauso wichtig ist es, sich quasi über sich selbst “zu informieren”.

Kleinkinder haben es halt (oft) noch nicht gelernt, ihre Gefühle zu schlucken, zu unterdrücken, sich dafür zu schämen. Das ist GROßARTIG, denn ihr kleiner Geist, ihre kleine Person, ihre kleine Seele ist noch pur, authentisch, wahrhaftig und echt. Meiner Meinung nach der beste und gesündeste Zustand der menschlichen Seele überhaupt.

Dann prasseln all diese verschiedenen Stimmen auf sie ein, so wie das wahrscheinlich bei dir als Kind auch war. Bei mir war es jedenfalls so.

Nein, so nicht. Hör auf. Was sollen die anderen denken? Mach das doch so. Sei still. Es reicht jetzt. Geh auf dein Zimmer. Geh weg. Fühl dich nicht so. Nein, so solltest du das nicht sehen. Sag das nicht so. Geh auf diese Schule. Lern Ballett. Geh Fußball spielen…

Alles gut gemeint. Ich weiß. Trotzdem mit wenig Blick auf den Menschen, der da vor einem steht.

Und Stück für Stück wird das Kind weniger frei, weniger pur, weniger authentisch und mehr und mehr angeglichen. Der Fokus des Kindes verschiebt sich nun vom selbst zum anderen. Das tun Kinder, wenn sie im Bindungsprozess mit ihren Bindungspersonen stecken. Sie versuchen sich anzugleichen, so dass eine Bindung möglich ist.

Man kann schon im ersten Lebensjahr bei Babies von “abwesenden” Eltern Vermeidungsstrategien beobachten (Baby vermeidet zum Beispiel Blickkontakt, dreht den Kopf weg), nur damit die Anspannung , der Schmerz und der Stress seitens des Babies über die Abwesenheit des liebevollen Blickes vermieden werden kann.

So viel Macht hat unser Zusammensein mit den ganz kleinen in den ersten Jahren ihres Lebens. Wir werden NIE wieder soviel Macht über einen anderen Menschen haben. Dies bringt eine große Verantwortung mit sich.

Ja, wir alle richten Erwartungen an unsere Kinder. Oft sind es Erwartungen, die uns in diesem Alter selbst auferlegt wurden. Erwartungen, die uns ebenfalls beschnitten haben, unfreier gemacht haben, Erwartungen, die wir selbst erfüllen wollten, um geliebt zu werden.

Aber weißt du was? Dein Kind ist keine Mini-Version von dir. Es sieht vielleicht aus wie du, ist aber sein ganz eigener Mensch, seine ganz eigene Person, mit eigenen Vorlieben und Talenten.

Wenn du unbedingt als Junge in den Fußballverein wolltest, aber nicht konntest – dann fang dich dabei, deinem Sohn Fußball schmackhaft machen zu wollen. Wenn es dein Traum war, Primaballerina zu sein, aber Ballettunterricht zu teuer war – fang dich dabei, wenn du dein Kind zum Unterricht anmeldest.

Ich weiß, was viele nun sagen: Ist doch toll, ist doch nicht schlimm. Ist doch ein Privileg. In deinen Augen, nicht unbedingt in denen deines Kindes. Die obigen Beispiele sind auch sehr profan, diese Erwartungshaltungen sind noch viel facettenreicher, noch mit viel mehr Druck belastet (Schule, Noten, Verhalten, Erfolge, Vorlieben,…).

Dies ist alles gut gemeint, aber es ist eigentlich genau dasselbe, wie sein Kind in jungen Jahren zur Frühforderung zu schicken, um ihm auch ja die beste Grundlage zu bieten. Das tragische ist, dass wir unseren Kindern in dem Moment die Gelegenheit nehmen, dass zu lernen und zu entwickeln, was sie gemäß ihrer unverfälschten Persönlichkeit und Natur tun sollten/ würden/ könnten.

Dies gilt ebenso für die weiterführenden Jahre und oft erlebe ich dann Jugendliche und Erwachsene, die sich wieder auf die Suche nach diesem authentischen Selbst begeben müssen, weil sich ihr Leben leer anfüllt und die Verbindung zu sich selbst schwer ist.

Ich finde es ganz wichtig, hier selbstreflektiert und selbst-bewusst als Mutter und Vater vorzugehen. Kinder sind intuitiv und sensibel und fangen unsere Erwartungen auf vielen Ebenen auf. Wenn es aber versucht, unsere unreflektierten Erwartungen zu erfüllen, die sich mit seinen eigenen nicht wirklich decken, dann kann das zwei Konsequenzen haben:

a) Kinder fühlen sich wie Versager, weil sie nur mit halbem Herzen oder gar nicht bei der Sache sind. Gleichzeitig wissen sie aber unterbewusst, wie wichtig uns dieses Hobby/ diese Noten/ dieses Verhalten ist und erfahren sich als Enttäuschung.

b) Kinder folgen nicht ihren authentischen und reinen Interessen und Talenten. Diese bilden sich oft gar nicht wirklich aus, weil (überspitzt gesagt) die Kids zu sehr damit beschäftigt sind, unserem Drehbuch für sie zu folgen. Sie spüren sich oft nicht mehr wirklich auf diesem tiefen, intuitiven Level, den Kinder automatisch mit ins Leben bringen.

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Ich fühle mich jedes Mal sehr traurig, wenn ich mit diesen Kindern arbeite.

Das Ganze kann relativ einfach mit etwas Zeit, Achtsamkeit und Reflexion aufgefangen werden. Das ist manchmal schwieriger und unbequemer, aber ich empfinde dies als eine meiner Hauptaufgaben als Mutter. Bieten wir unseren Kindern doch eine positive, bejahende, sichere Umwelt, die Angebote für sie trägt, aber keine Zwänge.

Wenn du gern selbst-reflektierter wärst und dich über altersgerechtes Verhalten in jungen Jahren bilden möchtest, über die Wichtigkeit des freien Spielen lernen möchtest und dein Kind respektvoll und verantwortlich durch große Emotionen begleiten willst, dann lies mehr hier.

Du kannst uns auch auf Facebook folgen oder unserer privaten Gruppe beitreten, in der es viel Austausch und Tipps gibt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s