Hallo. Tschüss. Danke. Entschuldigung.

Jingle Bells, Jingle Bells…. 

Nun ist sie da, die Weihnachtszeit. Es warten viele Geschenke auf unsere kleinen Kinder! Ich möchte deshalb hier nochmals über Erwartungen reflektieren, die an unsere Kinder gerichtet werden.

Immer wieder erlebe ich, wie Eltern sich selbst und ihre Kleinen unter Druck setzten und ihren Kindern vor mir sagen: “Sag’ Hallo zu Stephanie. Sag Tschüss zu Stephanie. Sag Bitte. Sag Danke. Sag Entschuldigung.

Ich finde es selbst oft ziemlich unangenehm, dies mitzuerleben. Warum? Nicht, weil die Eltern etwas Schlimmes oder Schlechtes machen. Sondern weil es überhaupt nicht authentisch ist.

Ich kann verstehen, dass Eltern oder Kinder nicht als unhöflich angesehen werden sollen, weil sie diesen Höflichkeitsformen nicht folgen. Vielleicht projiziert man seine Gedanken in den Gesichtsausdruck der anderen und stellt sich vor, dass sie sowas sagen wie: “Ist das Kind aber verwöhnt und frech. Sagt noch nicht einmal Danke!” Oder: “Bringt die ihren Kindern keine Manieren bei?? Mein Gott!!!”

Auch hier finde ich es wie immer wichtig,

  1. über die Sache an sich zu reflektieren und
  2. sich (immer immer immer) in die Lage (und den Entwicklungsstand) unserer Kinder zu versetzten.

1. Danke und Entschuldigung

Diese zwei Ausdrücke finde ich besonders beladen. Es kann wirklich unangenehm sein, wenn unser Kind ein tolles Geschenk bekommt und “vergisst”, danke zu sagen.

Was genau bedeutet das aber eigentlich, Dankbarkeit?

Wie fühlt sich das für DICH an? Ein warmes Gefühl im Bauch? Schlägt dein Herz höher? Gibt es ein Lächeln in deinem Gesicht? Kommen dir manchmal vielleicht sogar die Tränen? Das kommt ganz auf die Intensität an, aber über eines sind wir uns einig, oder? Dankbarkeit ist ein tiefes und facettenreiches Gefühl, dass uns schon ziemlich vereinnahmt.

2. So geht es deinem Kind auch.

Nur ist dein Kind noch viel mehr im Moment an sich. Viel mehr ganz bei seiner Dankbarkeit (oder auch nicht). Viel mehr bei sich und dem Erlebnis an sich. Kinder nehmen Situationen im Allgemeinen nicht sofort schnell auf, so wie wir Erwachsenen.

Sie reagieren auch oft nicht direkt. Das bedeutet aber nicht, dass dein Kind keine Dankbarkeit empfindet. Im Gegenteil. Dein Kind erlaubt sich, diese Freude und Dankbarkeit ganz aufzunehmen und sich nicht sofort auf gesellschaftliche Automatismen und Regeln zu konzentrieren.

Bei dieser echten, authentischen, kindlichen Dankbarkeit kommen mir oft persönlich vor Freude die Tränen.

Jetzt deckt sich das vielleicht nicht mit deinem Verständnis von Manieren und Höflichkeit. Viele Eltern bekommen dann Angst und sagen: “Ja, aber das muss er doch schon lernen, dass man sich bedankt/ dass man Entschuldigung sagt…”.

Weißt du, wie Kinder dies am Besten lernen? Durch dein vorbildliches Verhalten! Dadurch, dass du sagst: “Wow, ich sehe, wie sehr du dich freust. Deine Augen glänzen! Du lächelst. Du siehst sehr glücklich aus. Danke, für dieses schöne Geschenk, dass Jacob so glücklich gemacht hat!”

Das sage ich aus tiefstem Herzen. Nicht mit der Agenda, dies meinem Kind so schnell wie möglich anzutrainieren, damit mir diese Situation nicht mehr so unangenehm sein muss.

Vertraue deinem Kind. Wenn die Situationen an sich entspannt sind, dann wird dich dein Kind bald mit fantastischen und gefühlvollen “Danke’s” beglücken, wenn es dazu bereit ist und diesen Lernprozess ungestört von Scham oder Druck vollziehen kann.

Genauso ist es beim Entschuldigung sagen. Was fühlst du, wenn du dich wirklich entschuldigst, so richtig von Herzen?

Traurigkeit? Empathie? Verantwortung?

Dies sind hochkomplexe Gefühle, die sich erst einmal entwickeln müssen. Die erst einmal gefühlt und untersucht werden müssen. Die erst einmal sortiert und verstanden werden müssen.

Wenn mein Kind einem anderen Kind weh tut, dann bin ich sofort (oder so schnell wie möglich) auf Augenhöhe dabei. Ich erkenne den Schmerz oder die Traurigkeit des anderen Kindes an, reflektiere dies mit Worten und sage (für beide Kinder): “Das hat dir weh getan, du musst weinen. Dein Knie tut richtig weh.” Wiederum ist es hier so wichtig, sein eigenes Kind nicht zu beschämen oder zu zwingen: “Du hast ihm richtig weh getan, entschuldige dich!!!” Das setzt Kinder stark unter Druck. Sie lernen so nicht, sich von Herzen und mit Überzeugung zu entschuldigen. Ich mache das lieber im Umgang mit meinem Kind so: “Ich habe mich falsch verhalten. Das hat dich verletzt. Es tut mir sehr leid.”

Weißt du was? Mein Sohn berührt mich und andere mit zarten, tief empfundenen und ehrlichen “Entschuldigungs-Bekundungen”, die ich richtig in meinem Herzen spüre. Weil sie ernst gemeint sind. Oft dauert dies ein bisschen und geschieht nicht sofort. Aber die Entschuldigungen kommen. Man muss den Kleinen einfach mehr in ihrer Entwicklung vertrauen.

Zwingen wir unsere Kinder Danke und Entschuldigung zu sagen, dann schneiden wir den Lernprozess in all seinem Potential, seiner Intimität und seiner Tiefe ab. Wir bringen ihnen damit nicht das bei, was wir wollen. Sie lernen höchstens, dass man sich einfach nur schnell entschuldigen soll und dann ist man aus der Sache raus.

Mhhhhhh. Nicht so erstrebenswert, oder?

Fang jetzt mal deine Projektionen. Fühlt es sich für dich ganz unangenehm an, wenn dein Kind nicht danke oder sorry sagt? Hast du Angst davor, was andere von dir denken?

Wenn ja, dann reih dich am Besten ein, denn es geht den meisten Menschen so.

Mir auch immer wieder ein bisschen. Das kommt aber ganz ehrlich auf meine Gesellschaft an, verstehst du was ich meine?

Was fühlst du in solchen Situationen?

Scham vielleicht? Könnte das aber ein Artefakt deiner eigenen Kindheit und entsprechend entwickelter Glaubenssätze sein?

Hast du auch gehört: “Sag Danke. Entschuldige dich!” Hast du gespürt, dass das deinen Eltern peinlich war?

Da sind wir wieder. Der Transfer dieser Glaubenssätze und Selbstwertgefühlen, die an die Meinung von anderen Menschen geheftet sind – von Generation zu Generation.

Mach Schluss damit. Ich kann beruhigt und stolz sagen: Bei mir hört’s auf!

Bei dir auch?

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hat dies auf Mutter.Mit.Kind rebloggt und kommentierte:
    Lest unbedingt diesen Artikel von Eltern-Evolution zum Thema „Kind zum bedanken/entschuldigen bringen“. Ich finde ihn sehr spannend, und auch die Logotherapeutin, dessen Vortrag ich neulich besucht habe sagte: „von einem 4jährigen zu verlangen sich zu entschuldigen ist witzlos. Der sagt das dann nur dahin, leere Worte, und glaubt am Ende das reicht. Mit einer Entschuldigung in unserem Erwachsenen-Sinne hat das nichts zu tun“.
    Aber gerade beim entschuldigen tu ich mir seeehr schwer, Sohni nicht zu „zwingen“. Und ja, ich ZWINGE ihn. Fast gewaltsam. So dass eigentlich ich mich hinterher dafür entschuldigen müsste, dass ich ihn so behandelt habe (was ich aber nicht tue, da ich mich im Recht fühle).
    Da muss ich mir also an die eigene Nase greifen, danke für diesen Artikel!

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  2. Louise sagt:

    Wunderbarer Artikel! Man könnte es auch mal anders herum versuchen, nämlich sich sein „Danke“ vom Kind abzuschauen: http://zwerggefluester.de/was-mein-kind-mich-taeglich-lehrt-dankbarkeit/
    Herzallerliebste Grüße und alles Liebe

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