Wie du bei den Wutanfällen deines Kindes ganz ruhig bleiben kannst?

Findest du nicht auch, dass man als Mutter und Vater unglaublich viel über sich selbst lernt? Man erlebt sich in einer Beziehung, die man so vorher noch nie in seinem Leben “geführt” hat.

Man lernt über sich selbst, über seine Schwächen und Stärken. Man lernt über sich selbst in Beziehung.

Man lernt aber auch über das altersgerechte Verhalten seiner Kinder, über ungefilterte Gefühle und deren Ausdruck und vor allem, die Welt und die Gesellschaft nochmals aus Kinderaugen zu sehen und zu verstehen.

Das kann viel Spaß machen beim Vorlesen, an Weihnachten, im Urlaub oder beim Kuscheln auf der Couch – eigentlich immer dann, wenn sich unsere Interessen und Gefühlslagen mit denen unserer Kinder weitestgehend decken.

Was aber in schwierigeren Situationen? Wenn unsere Kinder unglaublich wütend auf alltägliche, unveränderbare Grenzen oder unsere Entscheidungen reagieren? Was ist, wenn unser geliebtes Kind seinen (aufgestauten?) Ärger, seine (ganz natürliche) Wut und seinen (existentiellen) Weltschmerz ungefiltert und authentisch mit uns teilt?

Oft werde ich von Klienten und Freunden gefragt, wie ich mit den Wutausbrüchen meiner Kinder eigentlich umgehe.

Es gibt tolle Bewältigungsstrategien für emotionale Situationen, wie zum Beispiel tief atmen, lauthals singen, sich am ganzen Körper schütteln und dabei Urwaldgeräusche machen, dunkle Schokolade essen usw. All dies kann helfen, nicht zu schreien oder zu schimpfen, sondern die eigenen Trigger in der Hitze des Moments für sein Kind zu filtern.

Zusätzlich habe ich während meiner Zeit als Mutter folgende Glaubenssätze bezüglich der kindlichen, aber vor allem menschlichen Natur an sich geformt, die mir unglaublich helfen.

Diese Glaubenssätze stehen für mich (beruflich und privat) als Entitäten fest. Sie helfen mir eine reflektierte und bewusste Mutter zu sein. Ich visualisiere sie als magische, solide Säulen, die selbst das größte Erdbeben nicht erschüttern kann.

  1. Kinder sind nicht frech oder böse. Diese Wörter habe ich aus meinem Vokabular gestrichen. Wut, Wutausbrüche und “schwieriges Verhalten” sind ein Hilferuf, den mein Kind versucht zu kommunizieren, so gut es kann. Mein Kind sagt mir hier Dinge wie: ”Ich bin überfordert. Ich habe Hunger. Ich bin müde. Ich fühle mich komisch…..”.
  1. Erkenne an was ist. Dies ist der wichtigste und mächtigste Glaubenssatz von allen – nicht nur wenn es um Kinder geht. Gefühle können nicht richtig oder falsch sein. Gefühle sind einfach. Jeder Mensch hat ein Anrecht auf seine Gefühle. In dem du sie anerkennst, sie so gut du kannst benennst und sie nicht ändern oder unterdrücken willst, unterstützt du dein Kind emotional und bleibst in Beziehung. „Du bist so wütend, weil….”. „Ich sehe wie schwierig das jetzt für dich ist.” „Ich höre, dass du so enttäuscht bist, dass …”

Diese Wutanfälle sind meistens noch viel schlimmer für die Kleinen als für uns.

  1. Fange deine Trigger, sprich zu deinem inneren Kind.

Stop! Nein, dies ist keine romantische, alternative Sichtweise. Falls du das Weinen und Schreien deines Kindes nicht aushalten kannst und dies starke Gefühle in dir auslöst, dann frag dich mal wie das für dich als Kind war! Durftest du weinen und schreien? Oder war dies unerwünscht?

Die kindlichen Erfahrungen deiner formativen Jahre leiten und beeinflussen dich täglich. Wie? Allein in den ersten tausend Tagen deines Lebens haben sich 700 neuronale Verbindungen pro Minute gebildet. Die frühen Jahre unseres Lebens stellen in der Tat den größten Einfluss auf unser Leben dar. Unsere Kinder lernen nicht nur essen und laufen, sie lernen über sich selbst in Beziehungen, ihren Wert, über ihre Gefühle, über Grenzen, über Liebe und über Toleranz. Sie lernen entweder, die (Beziehungs-)Welt neugierig zu erkunden, oder etwas vorsichtiger und zurückgezogener von der Ferne zu betrachten. Dein Kind wird deine eigenen kindlichen Erfahrungen, deine damals geformten Glaubenssätze triggern und ankurbeln. Das ist gut, wenn du dies begrüßt und ein offenes Ohr für dich UND dein Kind hast.

  1. Sei dir bewusst über altersgerechte Bedürfnisse und Verhaltensweisen, damit du das Verhalten deines Kindes nicht persönlich nehmen musst. Je jünger unsere Kleinen sind, um so wichtiger ist es, rasch, sensibel und verlässlich auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Das gehört zu unserer Elternrolle dazu.

Das bedeutet aber nicht, dass du deinem Kleinkind jeden Wunsch erfüllen musst. Differenziere hier. Achte auch auf dich und kommuniziere ehrlich deine Grenzen. Das ist ebenso ein integraler Bestandteil einer Beziehung. Ihr gehört beide dazu. Sagst du klar, deutlich und reflektiert “nein” zu einem Wunsch deines Kindes, so hat es aber das Anrecht darauf, seine Enttäuschung und Wut darüber auszudrücken. Nie allein, sondern dein Kind darf dir erzählen, wie traurig das ist. Wie enttäuschend das ist. Du hörst mit offenem Herzen zu und begleitest liebevoll durch diesen Prozess. Ohne Agenda. Ohne Manipulation. Ohne Ablenkung. So entwickelt dein Kind Resilienz und lernt auf Dauer, sich selbst zu regulieren.

  1. Mir ist es egal, was andere denken – mein Kind kommt an erster Stelle. Wenn ich mein Kind lauthals schreiend an einen ruhigen Ort bringen muss, damit es mir auf seine kindliche Art und Weise ohne die verurteilenden Blicke anderer von seinem Weltschmerz und seiner Enttäuschung berichten kann, dann tue und begrüße ich dies.
  1. Ich begleite mein Kind in seiner Enttäuschung und in seinem Schmerz. Ich weiß, dass dies seine Gefühle sind, auf die es ein Anrecht hat und die nun zum Ausdruck kommen müssen. Dies ist nicht meine Schuld oder ein Fehler, den ich gemacht habe. Dies ist ein Lernprozess, bringt Klarheit und schult emotionale Intelligenz.
  1. Nachdem der emotionale Ausbruch vorüber ist, lassen wir beide die Situation hinter uns und leben positiv und befreit weiter in den Tag. Seine traurigen Gefühle in liebevoller Gesellschaft voll zum Ausdruck bringen zu dürfen, ist die pure Heilung. So wird ebenfalls in Therapien mit Klienten gearbeitet, die dies in ihrem Umfeld nicht erfahren durften.
  1. Ich bin nicht wütend oder nachtragend, denn ich weiß, dass der Ausdruck dieser Gefühle gut und gesund ist. Die Intensität kann sich so nach Außen statt nach Innen richten. Immer wieder erlebe ich erwachsene Menschen, die mit den Folgen vieler unterdrückter Gefühle während ihrer Kindheit im Hier und Jetzt ringen. Meinem Kind möchte ich dieses Szenario so gut es geht ersparen.

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