Mama, ich bin so sauer auf dich!

In meiner Arbeit unterstütze ich viele liebevolle und progressive Eltern darin, ihre Kinder durch ihre Wutanfälle zu begleiten. Diese zu verstehen, sie zu reflektieren, an ihnen zu wachsen und den Kindern zu geben, was sie brauchen. Warum ist das so schwer für Eltern? Und warum ist das so wichtig für Kinder? Und wie haben auch noch alle was davon?

Warum ist es so schwer für Eltern, ihre Kinder in ihrer Wut zu begleiten?

Wut wird gesellschaftlich als etwas Negatives konstruiert. Etwas, das beängstigend ist. Etwas, das bedrohlich ist. Etwas, für das man sich schämen muss. Etwas, das ein Problem ist. Etwas, das zu vermeiden ist. Etwas, das falsch ist. Aber die Worte, in Liebe gesprochen: “Ich sehe wie wütend du bist. Ist ok, du darfst wütend auf mich sein.” Die kommen einem oft nicht gut über die Lippen.

Eltern fühlen sich durch die Wut ihrer Kinder oft getriggert. Wohin verschlägt es dich so?

Unsicherheiten? Wut? Intoleranz? Schuldgefühle? Frust? Angst? Verurteilung? All dies verursacht etwas in der Verbindung zu den kleinen Menschen – einen Abbruch eben dieser.

Boom – in diesen getriggerten Momenten sind wir einerseits nur in uns gefangen, fahren Achterbahn in vergangenen Assoziationen und bewussten und unbewussten Erinnerungen.

Andererseits sind wir auch nur beim Kind – mit “Schuldzuweisungen” nämlich. “Wieso weinst du denn jetzt? Das geht nun mal nicht anders. So lasse ich nicht mit mir reden….”

Und schon haben wir einen ganz schön heftigen Cocktail, der garantiert einen fiesen (Scham)-Kater hinterlässt; entweder beim Kind – bei Bestrafungen und erzieherischen Konsequenzen – oder bei uns, weil wir mal wieder gebrüllt haben und uns der Beziehungskanal zum Kind flöten gegangen ist –oder gar bei allen Beteiligten.

Aber was finden wir als Psychotherapeuten eigentlich so gut an der Wut?

  1. Wut ist ein Ausdruck ungestillter Bedürfnisse. Unser Überlebensinstinkt. Ein Warnsignal. “Stop. Hier stimmt was nicht.” Wut ist ein Deckmantel, der schmerzhafte Gefühle verstecken und beschützen möchte. So gesehen ist die Wut an sich also etwas sehr Positives.
  1. Wutausbrüche sind oft eine Art Kontaktaufnahme.

Müssen wir uns kategorisch von unseren Kindern kritisiert fühlen, weil sie wütend auf uns sind?

Nein, denn niemand kann immer alle Bedürfnisse eines anderen Menschen stillen.

Sollten wir uns unseren Kindern stattdessen zuwenden und ihnen und ihrer Wut offen zuhören? Ja, denn das ist meistens das ungestillte Bedürfnis und die Lösung des Problems: “Mama, Papa. Ich fand das jetzt nicht gut. Bitte werde jetzt nicht auch noch wütend auf mich. Ich bin vollkommen abhängig von dir und lerne durch dich, ob ich in Beziehungen das Recht habe, meine Gefühle und Grenzen so zu äußern. Hör mir bitte zu, ich will meine Gefühle mit dir darüber teilen.” Sieh es als eine gute Chance, dein Kind richtig in allen Facetten kennenzulernen.

  1. Wann warst du das letzte Mal so richtig wütend? So richtig sauer? Kannst du dich noch an diesen Umpf, diese intensive Energie erinnern? Wut ist ein großer Katalysator, oder? Nun stell dir mal vor, diese Energie kommt nicht raus, sondern wird nach unten gedrückt.

Das hat oft schon krasse physische Konsequenzen für uns Erwachsene (Anspannungen, Kopf- und Bauchschmerzen, schlechte Launte, etc..).

Nun stell dir mal vor du bist 3,4,5… Die Energie hat die selbe Wucht. Dein Körper und Geist sind aber noch weniger “weise” und erfahren. Du lernst ja erst über die Welt.

Soll dein Kind lernen, seine Wut regelmäßig zu unterdrücken, weil das Äußern seiner Wut unerwünscht ist? Oder darf es diese Energie durch sich fließen lassen und seiner Wut bei dir Ausdruck verleihen?

Was passiert, wenn Kinder konsequent in ihrer Wut abgelehnt werden, weil sich die Eltern getriggert, provoziert, kritisiert, ungeliebt fühlen? Sie werden aus Liebesbedürftigkeit ihre Wut internalisieren. Zu einem hohen psychischen und physischen Preis.

Darum ist es auch so wichtig für Kinder, in ihrer Wut gesehen und gehalten zu werden. Nicht vergessen. Wut ist nicht dein Feind, sondern ein klares Sprachrohr: “Hier werden meine Bedürfnisse nicht gestillt. Hier brauche ich Hilfe! Leider kann ich es noch nicht ruhiger ausdrücken. ”

Und wie haben nun auch die Eltern was davon? Durch dieses oben beschriebene Wutdilemma können sich Eltern auch mit ihrer Wut positiv auseinander setzten. Das ist nämlich der Trick bei der ganzen Sache!

Wenn man beginnt, sich  auf diese Art und Weise mit seinem Kind in Beziehung zu setzten, so kann unser Kind Resilienz, Selbstwert, Selbstregulation, Selbstliebe und Respekt von uns lernen.

Stop! Das ist aber noch nicht das Ende dieser Liste! Man KANN gar nicht nur mit seinem Kind so umgehen, sondern beginnt automatisch auch sich selbst in diesem Licht zu betrachten. Intrinsisch, nach und nach. Du kannst nicht einerseits zu deinem Kind sagen: “Erzähl mir davon, schrei und wein dich aus. Ich bin da. Ich will das alles hören. Das interessiert mich. Ich möchte dich gern verstehen.” Und sich selbst dann ne Stunde später sagen: “Ne, damit muss ich jetzt einfach klarkommen. Ich muss das jetzt unterdrücken. So ist es halt und traurig sein hilft mir da auch nicht weiter…”

Hä? Ne, das macht keinen Sinn, oder?

Hast du auch das Bedürfnis, dein Kind und dich selbst in deiner Wut liebevoll und empathisch wahrzunehmen? Euch beide in eurer Wut zu begleiten und herauszufinden, was eigentlich das ungestillten Bedürfnisse unter dem Deckmantel der Wut sind? Hast du auch Lust, auf Selbstsuche zu gehen? Chances are: Aspekte von diesem Selbst sind wahrscheinlich durch erzieherische und bestrafende Interaktion in unserer eigenen Kindheit unterdrückt und negativ behaftet worden. Schau mal hier vorbei, ich habe ein kostenloses Online Training zu diesem Thema!  

 

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