Mama-Lektion Nummer 1: Präsenz.

“Mama, guck wie schnell ich mich rollen kann!” “Wow, ich seh’s mein Schatz. Bist du stolz? Du siehst stolz aus! Ich freue mich mit dir”, antworte ich mit einem Lächeln im Gesicht und echter Freude im Herzen.

Ich habe in vielen Vorlesungen und Büchern darüber gelernt, dass man achtsam mit seinen Worten umgehen muss, wenn es um die Kommunikation mit Kindern geht. Worte haben viel Macht und das Gehirn verdreifacht sich schließlich in den formativen Jahren.

Lob macht süchtig nach Fremdbestätigung, wenn man versucht damit sein Kind zu erziehen und sein Verhalten damit zu steuern. Ein solches Lob zieht das Kind und sein Gefühl aus sich heraus, hin zu einem anderen Menschen, der dann sagt: “Gut… oder eben schlecht.” Macht Sinn oder?

Also kommuniziere ich meine Freude und meine Präsenz mit einem Lächeln, indem ich beschreibe was passiert und ihn auf seine eigenen Gefühle in dem Moment aufmerksam mache. Check!

Meine Gedanken wandern langsam zu meiner Einkaufsliste und anderen Dingen, die ich heute auf jeden Fall noch machen muss. “Mama, guck wie ich jetzt gerollt bin! Noch weiter!” “Ja, ich seh’s. Das macht dir Spaß!” Ich fühle mich in meiner Ablenkung ertappt. Mein Lächeln ist jetzt schon etwas gekünstelt.

“Mama, guck jetzt!…”

Nach weiteren 5 Minuten merke ich, wie meine Aufmerksamkeit langsam immer weiter schwindet und ich eigentlich viel mehr Lust habe, mein Buch zu lesen, das ich extra mit raus gebracht habe.

“Mama, guck!! Jetzt! War das noch schneller?” Ich nicke und lächle. Nun versuche ich’s einfach und schlage das Buch auf und lese. 10 Sekunden später höre ich etwas Irritation in seiner Stimme: “Mama, du guckst nicht! Das war wieder anders! Mit Armen hoch!” “Aha, noch schneller!”

Ich bin nicht richtig bei der Sache und wir beide merken es. Nach der tausendsten, stetig frustrierter-werdenden Aufforderung fällt es mir dann wirklich auf! Jedes Mal Rollen ist tatsächlich neu, quasi eine neue Erfindung und eine tolle Erfahrung, die er mit mir teilen möchte.

Meine geistige Abwesenheit, trotz all dem “korrekten” Feedback von mir, enttäuscht und beleidigt ihn etwas in seiner Kreation, in seinem Dasein. Meine Worte waren zum Ende hin eher leer und hohl. Das spürt er genau – und ich eigentlich auch.

Ich versuche mich in ihn hineinzuversetzen. Ich erinnere mich daran, wie es sich für mich anfühlt, wenn ich jemandem begeistert von etwas erzähle und dann merke, dass ich ihre/ seine Aufmerksamkeit verliere. Eine Mischung aus Enttäuschung und Scham macht sich dann bei mir breit. Ich weiß aber auch, wie großartig es sich anfühlt, wenn ich mich in meiner Begeisterung und meinen Gedanken und Kreationen von jemandem gehört und gesehen fühle – wie sich Aufregung und Freude in mir füllen und ich mich wertvoll fühle. Sollen sich nicht alle Kinder, ja alle Menschen so fühlen? Wertvoll und wahrgenommen? Dazu brauchen unsere Kleinen aber uns, unsere echte, ungeteilte Aufmerksamkeit und Präsenz.

Wieder einmal ziehe ich meinen Hut vor meinem Sohn, der mir so viel jeden Tag beibringt. Er kann ein strenger Lehrer sein, der mich immer wieder auf die Nummer 1 Lektion im Leben aufmerksam macht. “Mama, siehst du mich? Komm zurück ins Hier und Jetzt. Komm zu mir. Komm zu dir. Komm zu uns. Vergiss die Einkaufsliste und dein blödes Buch für einen Moment und roll mit mir den Hügel runter. Oder schau mir wenigstens zu! Lass uns diesen Moment ganz miteinander teilen. Das macht doch viel mehr Spaß, oder?”

“Stimmt. Das tut es. Jetzt kapier ich’s wieder! So fühlst du dich wertvoll, gesehen und vor allem – geliebt – mehr, als es meine Wort ausdrücken können.”

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