Geschwisterstreit – Was tun?!? 3 Gedanken zu mehr Gelassenheit

Herrje, wer kennt das nicht. Man wird Mutter und Vater. Zum ersten, zum zweiten, zum dritten … Mal und man liebt die Kinder von ganzem Herzen. Nur leider fliegen zwischen den kleinen Lieblingsmenschen andauernd die Fetzen und man selbst wird (unfreiwilliger) Zeuge.

Das löst viele Gefühle in uns aus. Traurigkeit, Wut, Sorge, Genervtheit, Hilflosigkeit, Ohrenschmerzen… Sich über seine eigenen Gefühle bewusst zu sein, ja seine eventuellen persönlichen Erfahrungen diesbezüglich (Einzelkind? Geschwister? Jüngster? Mittelkind? Älteste?) zu reflektieren ist unglaublich wichtig, um hilfreich und unterstützend beiseite zu stehen.

Unsere Gefühle kommen von unseren Gedanken und unseren Glaubenssätzen. Der Älteste soll dem kleinen Geschwisterchen stets helfen und darf keine Spielsachen wegnehmen. Das kleine Geschwisterchen soll auf den Älteren hören. Geschwister müssen zusammenhalten. Streit soll nicht sein, und wenn, dann muss das schnell geklärt werden. Familie geht über alles.

In diesem Artikel habe ich bereits darüber geschrieben, wie schwer es für uns als Mutter/ Vater ist, die Wut unserer Kinder zu akzeptieren und auszuhalten. Puh, nun sind die auch noch so sauer aufeinander. Was tun?

  1. Streit und Schmerz gehören zu jeder – ja – zu jeder Liebesbeziehung dazu – auch und vor allem zur Geschwisterbeziehung.

So unangenehm das Ganze auch sein kann, so sehr wir uns auch ein harmonisches Familienleben wünschen, es ist nicht realistisch und auch nicht fair dies zu erwarten. Die geschwisterliche Beziehung ist aber in all ihren Höhen und Tiefen eine echte Chance, in die Beziehungserfahrung mit einem anderen Menschen einzutauchen.

  1. Kinder sind kleine Menschen mit ihren eigenen Persönlichkeiten, ihren eigenen Erwartungen und Gefühlen. Sich sofort oder zeitnah wieder vertragen ist nicht immer angebracht. Manchmal müssen bestimmte Dinge verdaut und verarbeitet werden. Manchmal darf man auch einfach mal sauer sein. Man darf sich auch wiederholt über die gleiche Sache streiten, bevor man irgendwann eine Lösung findet. Man sollte seine Kinder nicht dazu drängen, denn so nimmt man ihnen essentielle Lernerfahrungen und kommuniziert unterbewusst, dass ihre Gefühle im Bezug auf den Streit nicht ernst zu nehmen oder nicht ok sind. Das stiftet definitiv unterbewusst Unfrieden – innerlich und äußerlich.

3. Echte Anteilnahme zeigen. Zeuge sein. Da sein. Trösten. Neugierig und möglichst wertfrei begleiten. (Körperliche und emotionale) Gewalt wenn nötig mit Händen oder Worten blocken. Je nach Entwicklungsstand die Gefühle und Bedürfnisse der Kinder so gut es geht reflektieren und benennen. Bitte akzeptiere, dass sich gerade zwischen den Geschwistern eine einzigartige und ganz eigene Beziehung entwickelt. Deine Verantwortung ist es, den sicheren Rahmen zu stecken (reflektiert im Umgang mit allen Kindern, sich über Trigger und Konditionierungen bewusst werden, eine emotional sichere Umwelt zu Hause schaffen…). Alles andere ist eine Sache zwischen den Kindern.

Es gibt Eltern, die sich immer direkt einmischen oder sich aus allem “raushalten” und es die Kinder “selbst regeln lassen”. Beides führt nicht zum erwünschten Ergebnis: eine gesunde und positive Beziehung der Geschwister untereinander. Es ist wirklich ein feiner Grad und bedarf viel Übung, aber es ist tatsächlich möglich einfach Begleiter für alle Beteiligten zu sein, ohne übergriffig zu werden. Meine Erfahrung ist auch, dass Kinder jeden Alters unglaublich kompetent darin sind, Lösungsstrategien zu finden (auch wenn es erst einmal laut wird oder krass für uns aussieht), wenn man sie lässt.

Mein Tip: Falls Kinder zu körperlicher Gewalt neigen, dann in der Nähe sein und Fäuste abfangen. Wut reflektieren. Alternativen aufzeigen.

Falls Kinder dazu neigen, ihre Geschwister aus Wut zu “verpetzen”, so dass sie Ärger bekommen oder ähnliches, dann auch hier die Wut reflektieren und neugierig erforschen, warum sich die Kinder dementsprechend verhalten – ohne Beschämungen oder Verurteilungen.

Ein Austausch mit einer Leserin mag hier vielleicht ein konkretes Beispiel bieten.

Hallo, vielleicht kannst Du mir in der aktuellen Situation einen Tipp geben: Ich habe zwei Mädchen, fast 10 und 5. Die Große ist in der 3. Klasse, aber äußerlich wirkt sie wie 12, ist auch etwas kräftiger. Die Kleine ist recht zart. Beide wissen genau was sie wollen. Was mir Sorge macht, ist, dass sie sich sehr oft streiten, der anderen nichts gönnen, sticheln und sehr oft endet es damit, dass sie sich hauen oder anderweitig weh tun. Die Große reagiert oft sehr extrem, schreit laut und ich habe das Gefühl, dass diese Reaktionen die Kleine noch anstacheln und ihr zeigen, dass sie darüber etwas ausrichten kann. Ich bin mir sehr unsicher, ob, wann und wie ich als Mutter eingreifen soll. Eigentlich wurde mir mal gesagt, dass sie ihre Konflikte selbst austragen und ich mich nicht einmischen solle. Sobald aber das Hauen etc. dazukommt, kann ich es einfach nicht mehr laufen lassen. Ich sage dann sehr bestimmt, dass nicht gehauen, gebissen etc. wird. Das wird aber oft als ungerecht (von beiden Seiten) empfunden, weil ja auch vorher mit Worten provoziert wurde. Ich habe das Gefühl, immer wenn ich mich einmische, stelle ich mich ungerechterweise auf eine der beiden Seiten. Was kann ich tun?

Dazu habe ich ein Beispiel von heute: die Jüngere saß auf dem Sofa und hat ein Vorbereitungsvideo für ihren Schwimmkurs geschaut. Die Große kam vom Spielen bei einer Freundin zurück und wollte mit schauen. Die Kleine wollte das aber nicht. Hat daraufhin den Laptop weggedreht, die Große beschwerte sich, beide wurden lauter und letztendlich ging die Große auf ihre Zimmer, nachdem sie die Kleine hart auf den Arm geschlagen hat. Ich bin hingegangen und habe mehrere Lösungsvorschläge gemacht, wie sie das gemeinsam schauen können. Hat aber nichts gefruchtet. War das zu viel von mir? Hätte ich hier gar nichts zur Lösung beitragen sollen?

Meine Antwort:

Liebe …. , das kann ich verstehen. Ich setzt mich bei meinen beiden dazu & werde präsent – körperliche Nähe ist auch gut um Fäuste abzufangen. Ich höre beiden interessiert zu & wenn nötig (!), reflektiere ich verbal beide Bedürfnisse: „aha, … will …. und …. sagt ….“ Oder ich beschreibe was sie tun, quasi als laut denkender Beobachter – wenn es mir zu laut wird, dann artikuliere ich auch meine Bedürfnisse, denn es sind ja alle betroffen. Aber was das aushandeln betrifft, so halte ich soweit es geht Abstand – und spreche wirklich nur das nötigste & Dinge aus, bei denen ich mir ganz sicher bin. So fühlen sich beide begleitet, nicht bewertet & der sichere Rahmen ist auch geboten, falls es doch körperlich wird.

Bei deinem Beispiel hätte ich lediglich gespiegelt, dass die Kleine allein gucken möchte & die Große nun enttäuscht ist. Ohne Wertung, aber unterstützend. Ich kann beide verstehen – es ist ein Lernprozess, den beide durchlaufen – du steckst den sicheren Rahmen, so dass es nicht außer Kontrolle gerät. Alles andere können & müssen nur die 2 ausmachen – während du aber wertfrei und empathisch für beide da bist.

Ich wünsche euch alles Liebe für die Zukunft.

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