Mama Lektion 2: Alpha-Wölfin sein

Jesper Juul ist wirklich in aller Munde, oder? Und das zu gutem Recht! Eines seiner weisen Bücher heißt „Leitwolf sein“.

Ich? Eine Leitwölfin? Eine Alpha-Wölfin? Was heißt das eigentlich? Spontan fällt einem da natürlich das leiten/ führen ein. Aber natürlich steht als Alpha Wölfin auch ganz klar die Vorbildfunktion im Zentrum. Sich so verhalten, wie man es auch von anderen erwartet. Das heißt ja dann bei den Kindern im Allgemeinen: Gesundes Essen, höflicher und netter Umgang, die “sozialen Regeln/ Erwartungen” vorleben (das beliebte Thema Bitte, Danke, Entschuldigung – zu meinen Gedanken diesbezüglich kannst du hier mehr lesen) etc. pp.

Nun ist es ja aber so, dass wir uns über viele unserer Verhaltensweisen tatsächlich oft nicht bewusst sind – “Was? Habe ich das wirklich (so) gesagt? Hast du das wirklich (so) gesagt? Hab ich echt böse dabei geguckt? Nein, ich bin nicht traurig, sehe ich so aus?…” Das ist ganz normal und ziemlich menschlich, Freud und viele weitere Menschen der psychodynamischen Denkrichtung haben sich ja schon ausgiebig mit der Macht des Unterbewusstseins beschäftigt – it’s a very very very powerful thing!

Dann gibt es die Dinge, die uns automatisch passieren. Ausrutscher, die uns nachher erst auffallen, die echt schwer zu kontrollieren sind.

Super sentimental werden. Ärger und Wut. Genervtsein vom Kind, und man weiß gar nicht so richtig warum. Oder richtig, richtig sauer werden, von null auf hundert und sich dann selbst darüber erschrecken. Viele Untersuchungen und vor allem unser eigenes Bauchgefühl haben wiederholt bestätigt, dass das nicht gut ist. Mehr meiner Gedanken und Bewältigungsstrategien findest du hier und hier.

Wenn ich Freunden oder Klienten über meine Ausrutscher berichte, dann bekomme ich oft überraschte Blicke oder Fragen: “Was? Das passiert dir auch?”

NATÜRLICH passiert mir das auch. Nur weil ich das Privileg habe, mich ausgiebig mit meinem Innenleben und dem anderer Menschen beruflich zu beschäftigen, werde ich nicht zum Harmonieroboter. Im Ernst. Nobody is perfect.

The good enough mother gets it right 3 out of 10 times (Winnicott).

Ich habe aber das Glück, regelmäßig Menschen zu begegnen (ob in Person oder in Literatur), die sich auf den selben Weg der Selbstreflexion und Selbst-Hinterfragung begeben haben – und die mir fantastische Hilfestellungen und Inspirationen bieten. Ich suche auch stetig aktiv danach, denn ich weiß durch meine Arbeit: it’s all about the journey. Der Weg ist das Ziel, you know? Der Austausch und die Gemeinschaft ist wichtig. Das brauchen wir alle. Niemand schafft das allein in seinem stillen Kämmerlein.

Eine dieser Personen ist für mich Ruth von unerzogen leben. Ruth hat sich umfassend mit dem Thema der elterlichen Wut befasst und ist tief eingetaucht in diese Materie. Von ihr habe ich etwas über eine sehr hilfreiche Strategie gelernt, wie man sich selbst beim Wüten ertappt und seine Wut unterbrechen kann.

Man trägt ein Armband. Wenn man merkt, dass man wütend wird, dann schiebt man es von einem Arm auf den anderen.

Als symbolischer Akt –  quasi als Unterbrechung des Wutzuges. Gesagt getan. Und etwas wundervolles ist passiert!

Mein Sohn fragte mich neugierig: “Was ist das?” “Ein Armband. Das hilft mir früh zu merken, wenn ich sauer werde, so dass ich nicht so unfreundlich und laut werde.“

Ich denke mir noch so: „Sehr gut. So versteht mein Sohn: Aha, Mama arbeitet an sich und es ist nicht richtig, dass sie laut und unfreundlich wird. Genau das möchte ich gern erreichen, um sein Selbstwertgefühl aufzubauen.“

Am nächsten Tag fragte er mich dann, ob er auch ein Wutarmband haben dürfte. Er sagt, er streitet sich in letzter Zeit so oft mit der Kleinen und will das auch versuchen. WAS??! Innerlicher Alpha-Wölfin-Mamasalto!!!

Eureka! Eureka!

Vorbildfunktion. Sich so verhalten, wie man es auch von anderen erwartet. Das heißt bei den Kindern eben auch: gleichwürdiger Umgang (“Es ist nicht ok laut zu werden, nur weil ich deine Mutter bin und mehr Macht habe.”), Fehler zugeben können (“Es ist falsch wenn ich das mache, es tut mir leid und ich arbeite an mir.”), tatsächlich etwas dagegen tun und so auch noch das Suchen und Finden von Bewältigungsstrategien vorleben (“Ich habe dieses Armband. Wenn ich wütend werde, dann schiebe ich es auf den anderen Arm, damit ich mich daran erinnere, dass es nicht ok ist laut zu werden”)

– what a life skill!!!

Dann kann man sich wirklich mehr entspannen und einfach den Kindern beim lernen zuschauen.

Also ja, auch ich werde laut und bin von den Kids manchmal genervt.

Nein, ich bin nicht perfekt.

Aber ich lebe und lerne mit und von meinen Kindern.

And this is absolutely good enough.

Peace!

Lust auf mehr? Schau dir mein kostenloses Webinar zum Thema an, folge uns auf Facebook oder mach bei unserer privaten Gruppe mit vielen Tipps und Anregungen mit!

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